Kaltakquise B2B 2026: Telefon, E-Mail und LinkedIn
Kaltakquise B2B ist nicht verboten, auch ohne bestehende Geschäftsbeziehung. Ein berechtigtes Interesse kann die Verarbeitung von Geschäftskontaktdaten tragen. Für einen B2B-Anruf kann eine mutmaßliche Einwilligung genügen. Es kommt auf die konkreten Umstände und den Kontaktweg an. Bei AK verbinden wir diese Einordnung mit der Frage, was ein Gespräch für den Zielkunden nützlich macht.168
Inhalt15 Kapitel
„Ich würde zuerst klären, welche Unternehmen zum Angebot passen und was einen Austausch für sie nützlich macht. Daraus lässt sich eine Folge persönlicher Kontaktpunkte aufbauen, die Vertrauen schafft und auf ein konkretes Gespräch vorbereitet. Telefonische Nachverfolgung kann das ergänzen, wenn Anlass, bisheriger Verlauf und rechtliche Grundlage passen.“
Benjamin Wünsche, CEO & SystemarchitektAus der PraxisIst Kaltakquise im B2B erlaubt oder verboten?
Im B2B ist Kaltakquise erlaubt, wenn Kontaktweg und Grundlage passen. Verboten ist nicht die Kaltakquise an sich, sondern Werbung über einen Kanal, für den die rechtliche Grundlage fehlt. Eine vorherige Geschäftsbeziehung ist keine allgemeine Voraussetzung. Die Rechtslage trennt dabei die Nutzung personenbezogener Daten vom Weg der Ansprache.16
Für uns bei AK beginnt aktive Akquise mit einem passenden Zielunternehmen und einem nachvollziehbaren Gesprächsanlass. E-Mail und LinkedIn können Bestandteile der Kontaktstrecke sein, Telefon ergänzt sie anlassbezogen. Welche Kombination passt, richtet sich nach Angebot, Zielgruppe und den rechtlichen Voraussetzungen.
Unsere eigene AK-Kontaktstrecke ist DSGVO-konform. Die dafür verwendeten Verträge und Vorgehensweisen sind anwaltlich überprüft und abgesegnet.
Für Ihre Einordnung zeigt die Tabelle, welche Grundlage die einzelnen Kontaktwege brauchen. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, kurz UWG, behandelt einen B2B-Anruf anders als eine Werbe-E-Mail.1
| Kanal | Worauf es rechtlich ankommt |
|---|---|
| Telefon | Bei Unternehmen kann eine mutmaßliche Einwilligung ausreichen. Konkrete Umstände müssen für ein Interesse gerade an diesem telefonischen Angebot sprechen. |
| Werbung mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung. Bei Bestandskunden kommt zusätzlich die Ausnahme aus § 7 Absatz 3 UWG infrage, wenn alle Bedingungen zusammen erfüllt sind. | |
| Fachlicher Austausch und Vernetzung eröffnen Kontakte. Bei werblichen Direktnachrichten gelten die Regeln für elektronische Post. Maßgeblich sind Inhalt, Zweck und die erklärte Zustimmung. | |
| Brief | Werbepost ist grundsätzlich auch ohne vorherige Einwilligung möglich. Erkennbare Ablehnung respektieren und bei personenbezogener Anschrift die Datenschutzpflichten erfüllen. |
Welche Rolle spielt das berechtigte Interesse bei der Kaltakquise?
Die Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, sieht die Einwilligung als eine von mehreren Rechtsgrundlagen vor. Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe f erlaubt auch eine Verarbeitung auf Basis berechtigter Interessen. Erwägungsgrund 47 nennt Direktwerbung als möglichen Anwendungsfall. Der Europäische Gerichtshof hat bestätigt, dass auch ein kommerzielles Interesse berechtigt sein kann.67
Dazu halten Sie fest, welches konkrete geschäftliche Ziel Sie verfolgen, welche personenbezogenen Daten dafür erforderlich sind und wie die Interessenabwägung ausfällt. Dabei zählen unter anderem der berufliche Zusammenhang, der Umfang der Daten und die vernünftigen Erwartungen der angesprochenen Person. Überwiegen deren Interessen oder Grundrechte, trägt diese Grundlage die Verarbeitung nicht.679
Das berechtigte Interesse beschreibt Ihre Grundlage für die Datennutzung. Die mutmaßliche Einwilligung beim B2B-Telefonat betrifft eine andere Frage: Sprechen konkrete Tatsachen dafür, dass der Empfänger mit genau diesem Anruf einverstanden sein wird?18
Dafür braucht es keine vorherige ausdrückliche Zusage. Die Umstände müssen aber das Interesse am telefonischen Kontakt tragen. Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Möglichkeit 2025 ausdrücklich bestätigt.18
Hier liegt die notwendige Einzelfallbetrachtung: Geschäftsbezug und Relevanz können eine Ansprache begründen. Welcher Kanal dafür infrage kommt, richtet sich zusätzlich nach dem UWG. Eine Abwägung nach der DSGVO ersetzt deshalb beispielsweise nicht die Voraussetzungen für eine Werbe-E-Mail.18
Welche Wege gibt es ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung?
Ein B2B-Anruf kann auf mutmaßlicher Einwilligung beruhen. Ein Werbebrief benötigt im Regelfall keine vorherige Zustimmung. Daneben eröffnen Fachbeiträge, Empfehlungen und Veranstaltungen Zugänge zu passenden Unternehmen. Welcher Weg ein Gespräch ermöglicht, hängt vom Bedarf und vom vorhandenen Zugang ab.12
Bei namentlicher Werbepost kommen berechtigtes Interesse, Informationspflichten und das Widerspruchsrecht zusammen. Eine erkennbare Ablehnung weiterer Werbung ist zu respektieren. Antworten Interessenten auf den Brief, können Sie ihren konkreten Wunsch aufgreifen. Für ein eigenes Nachfassen per Telefon oder E-Mail gelten die jeweiligen Kanalregeln.169
- Eigene Beiträge auf LinkedIn: Zeigen Sie, wie Sie eine konkrete Aufgabe Ihrer Zielkunden angehen. Fachliche Kommentare können einen Austausch beginnen, den Sie mit Zustimmung persönlich fortsetzen.
- Empfehlungen: Bitten Sie zufriedene Kunden um eine persönliche Vorstellung. Klären Sie dabei, ob der neue Kontakt einen Austausch wünscht und über welchen Weg.
- Messen und Veranstaltungen: Im persönlichen Gespräch klären Sie, ob und über welchen Weg die Person wieder von Ihnen hören möchte. Notieren Sie diese Zusage mit Datum und Thema.
- Anfragen über Ihre Website: Fachbeiträge, eine Checkliste oder ein Rechner können einen Grund bieten, sich bei Ihnen zu melden. Eine konkrete Anfrage beantworten Sie in ihrem Rahmen. Spätere E-Mail-Werbung braucht eine eigene Grundlage.
Wann kommt ein Werbeanruf bei Unternehmen infrage?
Auch der erste Anruf bei einem bislang unbekannten Unternehmen kann zulässig sein. § 7 UWG verlangt im B2B mindestens eine mutmaßliche Einwilligung. Eine vorherige ausdrückliche Zustimmung ist damit nicht in jedem Fall nötig. Ausschlaggebend sind die Umstände, die schon vor dem Gespräch bekannt sind.138
Ein konkreter Beschaffungsbedarf und ein dazu passendes Angebot können für ein sachliches Interesse sprechen. Dazu muss der telefonische Weg passen. Dabei zählen Art und Inhalt des Angebots sowie die Erwartungen des Empfängers. Die Branchenzugehörigkeit oder eine öffentlich sichtbare Nummer allein reichen als Begründung nicht aus.38
Dokumentieren Sie den Anlass, die zuständige Person und die Gründe, die für ihr Einverständnis mit diesem Anruf sprechen. Ein ausdrücklich gewünschter Rückruf lässt sich unmittelbar belegen. Bei mutmaßlicher Einwilligung halten Sie die tragenden Tatsachen und deren Bewertung fest. So wird aus einem vagen Eindruck eine nachvollziehbare Entscheidung.
Reichen eine Stellenanzeige oder ein neuer Standort als Anlass?
Eine Stellenanzeige, ein neues Projekt oder ein weiterer Standort können einen fachlich passenden Anlass liefern. Der nächste Schritt ist die Einordnung: Welche Aufgabe könnte daraus entstehen, wer verantwortet sie und welche Umstände sprechen für den vorgesehenen Kontaktweg?13
Fiktives Beispiel aus dem Fachgroßhandel: Ein Betrieb eröffnet ein weiteres Lager. Ein Anbieter für Lagerplanung erkennt einen möglichen Bezug zu seinem Angebot. Die Standortmeldung allein trägt noch keine mutmaßliche Einwilligung in einen Anruf.18
Zusätzliche Informationen, etwa eine konkrete Suche nach Unterstützung, können bei der Bewertung den Ausschlag geben. Für Werbe-E-Mails gelten die gesonderten Voraussetzungen. Ein persönlicher Brief ist ein weiterer möglicher Einstieg.128
Hinterfragen Sie auch Ihre Annahme über das Problem. Vielleicht ist die Lagerplanung längst abgeschlossen oder intern gelöst. Ein guter Anlass führt zu einer konkreten Frage, nicht zu der Behauptung, Sie wüssten schon, was der Betrieb braucht.
Wie lässt sich E-Mail für die Neukundengewinnung einsetzen?
E-Mail kann einen vereinbarten Austausch fortführen, angeforderte Informationen liefern und Kontakte bis zum Gespräch begleiten. Für Werbe-E-Mails verlangt § 7 UWG eine vorherige ausdrückliche Einwilligung oder die Bestandskundenausnahme. Das gilt auch bei geschäftlichen Adressen. Eine Einwilligung kann zum Beispiel in einem persönlichen Gespräch eingeholt und mit ihrem konkreten Umfang dokumentiert werden.14
Ein berechtigtes Interesse an der Datennutzung ersetzt diese Voraussetzung nicht. Auch eine im Impressum sichtbare Adresse oder ein Abmeldelink leisten das nicht. Die Bestandskundenausnahme betrifft Werbung nach einem Verkauf und setzt die folgenden vier Bedingungen gemeinsam voraus.18
| Bedingung | Was vorliegen muss |
|---|---|
| Herkunft der Adresse | Der Unternehmer hat die elektronische Postadresse vom Kunden im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung erhalten. |
| Inhalt der Werbung | Es geht um eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen. |
| Kein Widerspruch | Der Kunde hat der Verwendung nicht widersprochen. |
| Hinweis auf Widerspruch | Bei Erhebung und bei jeder Verwendung wird klar auf die jederzeitige Widerspruchsmöglichkeit hingewiesen, ohne zusätzliche Kosten außer den Übermittlungskosten nach den Basistarifen. |
Quellen zur Tabelle1
Was unterscheidet Vernetzung von Werbung auf LinkedIn?
LinkedIn ermöglicht Sichtbarkeit durch eigene Fachbeiträge, öffentliche Gespräche und persönliche Vernetzung. Daraus kann ein Austausch über eine konkrete Aufgabe entstehen. Wer etwa ausdrücklich um Informationen zu Ihrem Angebot bittet, gibt Ihnen einen Anlass, auf genau diese Anfrage einzugehen.
Für werbliche Direktnachrichten gelten die Regeln für elektronische Post. Das Oberlandesgericht Hamm nennt LinkedIn in einem Hinweisbeschluss ausdrücklich.15
Das damalige Verfahren betraf Nachrichten über ein Immobilienportal. Der Beschluss erklärt nicht jede neutrale Vernetzungsanfrage zur Werbung. Inhalt und tatsächlicher Zweck der Nachricht zählen.5
Eine angenommene Vernetzung allein umfasst keine Zustimmung zu beliebigen Angeboten. Klären Sie im Austausch, welche Informationen gewünscht sind und ob die Person diese über LinkedIn, per E-Mail oder in einem Gespräch erhalten möchte. Die Zustimmung muss die spätere werbliche Nachricht tatsächlich abdecken.14
Ist Kaltakquise datenschutzkonform, und was verlangt die DSGVO?
Kaltakquise kann datenschutzkonform sein, wenn eine Rechtsgrundlage die Nutzung der Kontaktdaten trägt und Sie die Informationspflichten erfüllen. Die DSGVO greift, sobald Sie personenbezogene Kontaktdaten verarbeiten. Dazu kann schon eine namentliche geschäftliche E-Mail-Adresse oder die Anschrift an einen bestimmten Geschäftsführer gehören. Dass die Daten auf der Firmenwebsite stehen, ändert daran nichts.6
Nach der Wahl der Rechtsgrundlage sorgen Sie für Transparenz: Wer nutzt die Daten, wofür und wie kann die Person widersprechen? Bei Daten aus anderen Quellen gehört auch die Herkunft in die Information. Erfassen Sie nur die Daten, die Sie für den festgelegten Zweck benötigen.69
| Frage | Maßstab |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Art. 6 DSGVO: passende Grundlage für den konkreten Zweck festlegen. Bei berechtigtem Interesse die Abwägung dokumentieren. |
| Datenherkunft | Art. 14 DSGVO: bei Daten aus anderen Quellen innerhalb angemessener Frist informieren, spätestens nach einem Monat. Bei früherer erster Kommunikation oder Offenlegung an einen anderen Empfänger spätestens dann. Gesetzliche Ausnahmen gesondert bewerten. |
| Widerspruchshinweis | Art. 21 Absatz 4 DSGVO: spätestens bei der ersten Kommunikation ausdrücklich, verständlich und getrennt von anderen Informationen. |
| Werbewiderspruch | Art. 21 Absätze 2 und 3 DSGVO: danach keine Verarbeitung mehr für diese Werbezwecke, auch kein damit zusammenhängendes Profiling. |
Quellen zur Tabelle6
Wie gehen Sie mit Schweigen oder einer Absage um?
Schweigen heißt nicht Ja. Auch eine unbeantwortete Kontaktanfrage erlaubt keine Werbenachricht über einen anderen Kanal. Jede weitere Nachricht muss von der Grundlage gedeckt sein, die Sie tatsächlich haben.1
Eine klare Absage respektieren Sie. Bei einem Widerspruch gegen Direktwerbung endet die Verarbeitung für diesen Zweck. Sorgen Sie dafür, dass die Person nicht über einen Kollegen oder eine spätere Kontaktliste wieder in dieselbe Werbung gerät.16
Anders liegt es bei einem ausdrücklich vereinbarten späteren Kontakt. Halten Sie dann fest, worüber und auf welchem Weg die Person wieder sprechen möchte. Aus einem allgemeinen „kein Interesse“ sollten Sie keinen solchen Wunsch herauslesen.
Was klären Sie vor der ersten Ansprache?
Die folgenden sieben Fragen sind ein kurzer Leitfaden für die Kaltakquise im B2B. Klären Sie sie, bevor jemand eine Nachricht verschickt oder zum Telefon greift. Die Liste verbindet die rechtlichen Fragen mit dem Inhalt des Gesprächs. Fehlt eine tragfähige Grundlage für den Kanal, wählen Sie einen anderen Weg.16
- Zielunternehmen: Passt Ihr Angebot zu einer konkreten Aufgabe im Betrieb, und ist die angesprochene Person dafür zuständig?
- Anlass: Welche Information liegt tatsächlich vor, und welche Vermutung über Bedarf oder Interesse leiten Sie nur daraus ab?
- Kanal: Welche Grundlage trägt diese Ansprache? Beim B2B-Anruf kann das auch die anhand konkreter Umstände begründete mutmaßliche Einwilligung sein.
- Personenbezogene Daten: Sind Rechtsgrundlage, benötigter Umfang und Informationspflichten geklärt?
- Bisheriger Verlauf: Gibt es eine Absage, einen Werbewiderspruch oder eine Vereinbarung, die dem Kontakt entgegensteht?
- Einstieg: Können Sie in zwei Sätzen sagen, wer Sie sind und warum das Thema für den Empfänger relevant sein könnte?
- Nächster Schritt: Was passiert bei Interesse, bei einer Rückfrage, ohne Reaktion und bei einer Absage?
Wie könnte ein Brief an einen Geschäftsführer aussehen?
Fiktives Beispiel aus dem Metallbau: Ein regionaler Dienstleister für Wartungsplanung hat gelesen, dass ein Betrieb eine zweite Fertigungshalle eröffnet hat. Eine frühere Absage liegt nicht vor. Der Dienstleister schreibt dem Geschäftsführer diesen Brief.
„Sehr geehrter Herr Beispiel, Sie haben im Frühjahr Ihre zweite Fertigungshalle in Betrieb genommen. Mit jeder neuen Maschine wächst die Zahl der Wartungstermine, die jemand im Blick behalten muss. Wir planen solche Termine für Metallbaubetriebe in der Region.“
„Beigelegt ist eine einseitige Übersicht, mit der Sie prüfen können, welche Wartungen in Ihrem Betrieb heute an einer einzelnen Person hängen. Sie funktioniert auch ohne uns.“
„Wenn Sie darüber sprechen möchten, erreichen Sie mich unter der Nummer im Briefkopf. Möchten Sie keine weitere Post von uns, genügt eine kurze Nachricht. Mit freundlichen Grüßen, Max Muster, Mustertechnik GmbH“
Der Brief nennt einen nachprüfbaren Anlass, sagt offen, wer schreibt und was er anbietet, und lässt dem Empfänger etwas Nützliches da, auch wenn er nicht antwortet. Ob es ein Gespräch gibt, entscheidet der Geschäftsführer. Die Datenschutzinformation mit dem Hinweis auf das Widerspruchsrecht liegt als eigenes Blatt bei, getrennt vom Werbetext.26
Wie könnte eine persönliche LinkedIn-Anfrage aussehen?
Fiktives Beispiel aus der B2B-Dienstleistung: Eine Projektleiterin lädt in einem Beitrag ausdrücklich zum fachlichen Austausch über Übergaben zwischen Vertrieb und Umsetzung ein. Ein anderer Dienstleister möchte sich dazu mit ihr vernetzen.
„Guten Tag Frau Beispiel, Sie haben in Ihrem Beitrag zum Austausch über Projektübergaben eingeladen. Ich beschäftige mich ebenfalls mit Übergaben zwischen Vertrieb und Umsetzung und würde mich dazu gern mit Ihnen vernetzen.“
Die Anfrage greift den ausdrücklich gewünschten fachlichen Austausch auf. Im anschließenden Gespräch kann der Dienstleister klären, ob Informationen zu einem konkreten Angebot erwünscht sind. Dafür zählt die tatsächliche Zustimmung, nicht allein die angenommene Vernetzung.15
Wie klingt ein telefonischer Einstieg mit konkretem Anlass?
Fiktives Beispiel aus dem Maschinenbau: Ein Hersteller sucht öffentlich einen Lieferanten für ein genau bezeichnetes Bauteil. Die Einkaufsleiterin nennt sich mit Durchwahl als Ansprechpartnerin für diese Suche. Ein passender Anbieter möchte erstmals anrufen.
Der konkrete Beschaffungsaufruf und die Angabe der Ansprechpartnerin sprechen für ein sachliches Interesse. Ob diese Umstände eine mutmaßliche Einwilligung in den Anruf tragen, hängt von der Ausgestaltung des Aufrufs ab.18
Ist diese Grundlage geklärt, könnte der Einstieg lauten: „Guten Tag Frau Beispiel, hier ist Max Muster von Mustertechnik. Sie suchen für Ihre Fertigung einen Lieferanten für das Bauteil aus Ihrer Ausschreibung. Wir fertigen Teile mit dieser Spezifikation. Ist die Lieferantensuche noch offen, und welche Anforderung entscheidet bei Ihnen über die Auswahl?“
Das ist ein erster Kontakt ohne bisherige Geschäftsbeziehung. Der Anbieter nennt einen überprüfbaren Bedarf, erklärt den Bezug seines Angebots und lässt die Einkaufsleiterin zu Wort kommen. Eine konkrete Antwort ist für das weitere Gespräch wertvoller als ein langer Vortrag über das eigene Unternehmen.
Warum lösen mehr Kontakte nicht jedes Vertriebsproblem?
Wenn viele Gespräche ohne nächsten Schritt enden, suchen Sie zuerst die Stelle, an der es hakt. Passt das Angebot zur Aufgabe des Unternehmens? Erreichen Sie die zuständige Person, und wird im Gespräch ein konkreter Bedarf sichtbar?
Mehr Anrufe machen einen schwachen Gesprächsanlass nicht stärker. Notieren Sie deshalb, welche Fragen und Einwände auftauchen und wo Kontakte abbrechen. So verbessern Sie Angebot, Ansprache oder Gesprächsführung, bevor Sie mehr Zeit in dasselbe Vorgehen stecken.
Unterscheiden Sie Interesse an einem Thema von einer Kaufentscheidung. Ein fachlicher Austausch kann nützlich sein, auch wenn gerade kein Auftrag ansteht. Ein Folgetermin sollte für beide Seiten einen erkennbaren Zweck haben.
Wie bereiten wir bei AK die Neukundengewinnung vor?
Wir beginnen mit Ihrem Angebot, den passenden Zielunternehmen und Ihrem bisherigen Vertriebsablauf. Daraus entwickeln wir eine Kontaktstrecke mit persönlichen, nützlichen Berührungspunkten.
E-Mail und LinkedIn kommen je nach Strategie und Voraussetzungen zum Einsatz. Telefonische Nachverfolgung ergänzt die Strecke bei einem konkreten Anlass. Für das persönliche Gespräch sollte klar sein, worum es dem Interessenten geht und was bereits besprochen wurde.
So wird aus einzelnen Kontaktversuchen ein Ablauf, den Ihr Vertrieb weiterführen kann. Das Umsatzbringer-Profil hilft Ihnen, den heutigen Weg vom Kontakt bis zum Abschluss einzuordnen. Haben Sie bereits einen konkreten Engpass, besprechen wir im Erstgespräch, welcher nächste Schritt dazu passt.
Quellen und Stand
Stand: 29. September 2026. Dieser Beitrag bietet allgemeine Orientierung zur Ansprache von Unternehmen in Deutschland und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
- 1§ 7 UWG: Unzumutbare Belästigungen (neuer Tab)
Aktuelle Fassung: erkennbar unerwünschte Werbung in Absatz 1, Telefon gegenüber Verbrauchern und sonstigen Marktteilnehmern in Absatz 2 Nummer 1, elektronische Post in Nummer 2, Bestandskundenausnahme in Absatz 3. Abgerufen am 04.10.2026.
- 2IHK Offenbach: Werbung per Brief (neuer Tab)
Werbung per Brief ist grundsätzlich zulässig. Die Aufforderung, weitere Werbesendungen zu unterlassen, ist nach § 7 Absatz 1 Satz 2 UWG zu respektieren. Kein falscher Aufdruck wie „Vertraulicher Inhalt“. Abgerufen am 04.10.2026.
- 3BGH, Urteil vom 20.09.2007: I ZR 88/05 (neuer Tab)
Entscheidung „Suchmaschineneintrag“, Randnummer 15: Umstände vor dem Anruf sowie Art und Inhalt der Werbung. Die mutmaßliche Einwilligung muss auch den telefonischen Weg erfassen. Ältere UWG-Nummerierung beachten. Abgerufen am 04.10.2026.
- 4BGH, Urteil vom 14.03.2017: VI ZR 721/15 (neuer Tab)
Werbe-E-Mail an eine geschäftliche Adresse ohne wirksame Einwilligung. Die Einwilligung muss erkennen lassen, welche Unternehmen und Angebote sie erfasst. Abgerufen am 04.10.2026.
- 5OLG Hamm, Hinweisbeschluss vom 03.05.2023: 18 U 154/22 (neuer Tab)
Randnummer 45 zur elektronischen Post einschließlich LinkedIn-Nachrichten, nach älterer UWG-Nummerierung. Gegenstand des Verfahrens waren Immobilienportal-Nachrichten, nicht neutrale Kontaktanfragen. Abgerufen am 04.10.2026.
- 6DSGVO: Artikel 4, 6, 14 und 21, Erwägungsgrund 47 (neuer Tab)
Personenbezug, Rechtsgrundlage, Informationspflichten bei Drittquellen und Werbewiderspruch. Ergänzende Einordnung in der unten verlinkten Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz. Abgerufen am 04.10.2026.
- 7EuGH, Urteil vom 04.10.2024: C-621/22 (neuer Tab)
Randnummern 37 bis 45 und 48 bis 56: Auch kommerzielle Interessen können berechtigt sein. Erforderlichkeit, Interessenabwägung und vernünftige Erwartungen bleiben maßgeblich. Der Fall betrifft die Weitergabe von Vereinsmitgliederdaten an Sponsoren. Abgerufen am 04.10.2026.
- 8BVerwG, Urteil vom 29.01.2025: 6 C 3.23 (neuer Tab)
Randnummern 45 bis 61: berechtigtes Interesse als anwendbare Rechtsgrundlage, UWG-Wertungen und mutmaßliche Einwilligung bei beruflicher Ansprache. Im konkreten Zahnarztfall fehlten hinreichende Umstände für ein Interesse am Anruf. Abgerufen am 04.10.2026.
- 9Datenschutzkonferenz: Orientierungshilfe Direktwerbung (neuer Tab)
Fassung Februar 2022, insbesondere Interessenabwägung bei Postwerbung, Informationspflichten und Umsetzung eines Werbewiderspruchs. Am 04.10.2026 im Verzeichnis der Orientierungshilfen der Datenschutzkonferenz geführt.